Mama, ich kann nicht mehr – Wie Du Dein Schulkind im Lockdown unterstützt und ein Burnout vermeidest

“Mama, ich kann nicht mehr”! Hast Du diesen Satz auch schon mal gehört? Kein Wunder. Die momentane Belastung unserer Schulkinder ist nicht nur am Limit, sondern längst überschritten. Das zeigen die Zahlen vom Deutschen Kinderhilfswerk Hannover, die über 30% mehr Anfragen von Kindern haben, die über depressive Emotionen berichten.

In diesem Artikel bekommst Du einige Impulse, um Deinem Kind ein Burnout beim Homeschooling zu ersparen. So bereitest Du es vor, nicht in dauerhafter Überforderung zu funktionieren, sondern Resilienz für schwierige Lebenssituationen zu entwickeln. Das kann helfen, einem Burnout vorzubeugen. Ich weiß, dass Du wahrscheinlich gerade absolut keine Langeweile hast. Mehrmals in der Woche oder sogar am Tag hast  Du das Gefühl, nicht alles zu schaffen und tatsächlich einem Burnout nahe zu sein?

Doch um Dich geht es in diesem Artikel nicht. In diesem Text geht es wirklich um Dein Kind und die Vorbeugung eines möglichen Burnouts, von Depressionen und dauerhaften psychischen Schäden.

Inhalt

  1. Alles ist anders
  2. Was Dein Kind braucht
  3. Bei welchen Symptomen Deine Alarmglocken klingen sollten
  4. Schaffe Strukturen zum Lernen für Dein Kind
  5. Hilf´Deinem Kind beim Einteilen der Aufgaben
  6. Mit Freude geht alles leichter
  7. Alle Emotionen sind erlaubt und sollten benannt werden
  8. Manchen Kindern fehlen die Großeltern oder getrenntlebende Elternteile
  9. Mach´Deinem Kind bitte keine Angst
  10. Zuverlässig sein
  11. Ideen sammeln
  12. Pflichten und Regeln im Haushalt
  13. Zeig´Mitgefühl und Verständnis

Alles ist anders

Auch für Kinder ist im Lockdown alles anders. Schon seit einer gefühlten Ewigkeit. Vor allem wenn Du die Lebensjahre Deines Kindes in Relation setzt mit der Lockdown- Situation und Covid- 19- Beschränkungen. Sogar Kinder und Jugendliche zeigen Burnout- Symptome. Diese gleichen denen der Erwachsenen, die unter Burnout leiden.

Für Dein Kind hat sich so viel geändert. Unregelmäßige Schulzeiten, Lernen im Zuhause oder in der Notbetreuung, nur wenige Kontakte zu Gleichaltrigen, keine Hobbys wie Sport oder Musikschule, keine Klassenfeiern, Übernachtungspartys und Kindergeburtstage. Dazu hängen sie zu Hause herum mit Eltern, die sich im Homeoffice oder in Kurzarbeit einem Burnout nähern oder schon mittendrin sind. Viele Mütter und Eltern haben existenzielle Sorgen und kommen mit all´ der Unsicherheit und ihren Ängsten nicht klar. In manchen Familien wird aus Aggression sogar Gewalt. Egal, ob körperlich oder emotional – für Dein Kind geht damit sehr viel kaputt. Manchmal sogar lebenslänglich.

Was Dein Kind braucht

Kinder brauchen Liebe und Sicherheit, um zu wachsen. Und manchmal stellen neue Strukturen eine herausfordernde Umstellung dar. Aber meistens sind Kinder recht flexibel und einfach dankbar, wenn Du ihnen hilfst. Von sich aus gerät kein Kind in ein Burnout.

Und wenn es grundsätzlich schwierige Themen bei Euch in der Familie gibt, dann suche Dir spätestens jetzt Hilfe. Der Kinderarzt könnte Dein erster Ansprechpartner sein. Aber auch Organisationen wie der Kinderschutzbund oder Ärzte und Therapeuten Deines Vertrauens können die richtigen sein.

Bei welchen Symptomen Deine Alarmglocke klingeln sollte

Wenn Dein Kind permanent desinteressiert und lustlos ist, solltest Du an eine depressive Verstimmung denken. Das kann eine Vorstufe vom Burnout sein. Gleiches gilt für herzzerreißendes Weinen, Wutausbrüche und Emotionslosigkeit. Weiterhin zählen Appetitlosigkeit oder großes Verlangen nach Süßem und junk food zu Symptomen, die ein Ungleichgewicht anzeigen. Schlafprobleme, Kopfschmerzen, Konzentrationsprobleme und Bauchweh sollten ebenfalls nur kurzzeitig und nicht wiederholt auftreten. Mangelnder Bewegungsdrang bei ehemals sportlich aktiven Kindern ist absolut bedenklich. Bitte achte auch darauf!

Macht Dein Kind seine Schularbeiten und Übungen oder verweigert es das? Bei einer Verweigerung schimpfe nicht direkt, sondern hinterfrage, was los ist. Wenn es Deinem Kind nicht gut geht, weiß es wahrscheinlich erstmal selbst nicht, was mit ihm gerade passiert.

Deswegen ist es an Dir, hinzusehen und zu helfen. Kein Kind macht grundsätzlich einfach nicht mit, wenn es in die Schule geht und Aufgaben bekommt. Kinder sind neugierig und wollen lernen. Manchmal sind die Bedingungen einfach nicht die besten. Auch das darf es lernen.

Aber wenn es sich regelrecht verweigert, solltest Du nachfragen. Vielleicht sind die Probleme ganz leicht zu lösen. Oder ihr sucht Euch Hilfe, um den Grund herauszufinden. Auf jeden Fall solltest Du dem Problem nachgehen. Nur so findest Du heraus, ob Dein Kind beispielsweise ein Problem mit den schulischen Anforderungen oder den Lockdown- Bedingungen hat. Oder ob es sich sogar selbst extrem unter Druck setzt. Wenn Du bei Warnsignalen nicht nachforschst, woher sie kommen, kann es sein, dass sich Dein Kind sozial isoliert. Oder es könnte glauben, dass seine Probleme „normal“ sind und es damit leben muss.

Schaffe Strukturen zum Lernen für Dein Kind

Als Mutter darfst Du Deinem Kind im Homeschooling noch mehr beim Organisieren helfen. Zum Beispiel beim Ausdrucken mancher Arbeitszettel. Bringe ihm, wenn alt genug, bei, wie es sein Arbeitsmaterial selbst ausdrucken kann. Das macht Spaß, es selbst zu schaffen.

Bei inhaltlichen Fragen ermutige Dein Kind, sich an die Lehrer zu wenden. Normalerweise sitzt Dein Kind ja auch alleine in der Schule. Und wenn Aufgaben nicht zu schaffen sind, lasse das Dein Kind klären. Das ist nicht Deine Aufgabe als Mutter, auch nicht im Lockdown. Du kannst Deinem Kind allerdings helfen, die richtigen Fragen zu stellen.  Ermutige Dein Kind, die Lehrer anzurufen oder anzuschreiben.

Und wenn technisch etwas zu schwierig ist, rufe in der Schule an oder schreibe eine Email. Die Schule braucht zur Verbesserung der Lern- Situation Deine Rückmeldung.

Es ist wichtig, dass Du die Kompetenz des Nachfragens bei Deinem Kind lässt, wenn es sich um die reinen Aufgaben und deren Verständnis dreht. Wenn es sich jedoch um organisatorisch oder technisch komplexe Probleme handelt, die auch Du nicht lösen kannst, dann signalisiere dies auch der Schule, den Lehrern. Denn es ist Deine Aufgabe, Dein Kind zu unterstützen. Und damit es lernen kann, braucht es Bestätigung und Mut machende Worte, kein Gemecker!

Hilf´ Deinem Kind beim Einteilen der Aufgaben

Hilf´ Deinem Kind, sich am Stundenplan zu orientieren. Denn es ist nicht jedes Kind in der Lage, sich die Aufgaben selbst einzuteilen, wenn das verlangt wird. Mir wurde mittlerweile schon häufig von Kindern erzählt, die weinend zusammengebrochen sind. Weil sie sich total überfordert fühlen mit dem Wust an Aufgaben für eine ganze Schulwoche. Wie bei Menschen, die eben ein Burnout haben. Ohne Lehrer, ohne Mitschüler ist das wirklich schwierig für viele Kinder, weil total unüberschaubar.

Auch in der Notbetreuung haben es die Kinder nicht leichter. Sie werden in den meisten Einrichtungen nur „verwahrt“. Damit die Voraussetzungen beim Online- Lernen für alle gleich sind. Allerdings schaffen es ängstliche und aggressiv wirkende Betreuer, dass sich Dein Kind eingeschüchtert fühlt. Das ist keine gute Atmosphäre, um zu lernen.

Bitte rufe in diesem Fall unbedingt in der Schule an und besprich´ die Themen mit den Lehrern und Betreuungspersonen. Damit zeigst Du Deinem Kind, das Du hinter ihm stehst und ihm hilfst, wenn es kompliziert oder ungerecht wird.

Mit Freude geht alles leichter

Lebe vor, was Dir guttut und hilf Deinem Kind in der Umsetzung eigener Self- Care. Damit Dein Kind kein Burnout vorprogrammiert. Eine kleine Mutmachkarte am Schreibtisch hilft bestimmt auch Deinem Kind.

Oder ihr druckt ein schönes Foto aus, das ihr im letzten Urlaub gemacht habt. Das verbindet und zeigt Deinem Kind, dass Du da bist. Auch ein Spielenachmittag am Wochenende oder eine Radtour kann stärken und bringt Licht ins Dunkel.

Fertige eine Übersicht an, auf die ihr jeden Tag Smileys malt, wenn ihr gelacht habt. Oder wenn es etwas gut geklappt hat. So sieht Dein Kind seine Erfolge und Du stärkst sein Selbstbewusstsein. Wenn einmal alles schiefgelaufen ist, was schieflaufen kann, dann könnte es auch einen Smiley für „besonders gut geärgert“ oder „geweint“ geben. Denn die Gefühle sind alle erlaubt! Seid hier gemeinsam kreativ, damit ihr gemeinsam verdaut, was ihr den ganzen Tag so erlebt. Und was ihr vermisst.

Alle Emotionen sind erlaubt und sollten benannt werden

Du solltest ganz gezielt danach fragen, was Dein Kind im Lockdown vermisst. Und auch, was es gut findet. So schulst Du das Bewusstsein Deines Kindes, in sich hinein zu fühlen, die Gefühle zu benennen und zu beschreiben. Bitte nimm nichts davon persönlich. Sondern gib Deinem Kind den Raum zu äußern, was ihm gerade gefällt und was nicht.

Denn es ist sehr schmerzhaft, wenn Du die Aufforderung zum Ausheulen direkt wieder im Keim erstickst. Frage Dich, welche mütterliche Reaktion Dir als Kind in dieser Situation zwischen Lockdown und Burnout guttun würde. Und dann sei genau so liebevoll mit Deinem Kind.

Manchen Kindern fehlen die Großeltern oder getrenntlebende Elternteile

Gib Deinem Kind den Raum, diesen Zustand zu betrauern. Vielleicht telefoniert ihr öfter mal mit Oma und Opa? Oder gibt es die Möglichkeit, sich zu treffen? So, dass sich alle damit gut fühlen?

Kinder brauchen verbindliche Beziehungen. Wenn der Wunsch, jemanden zu sehen, immer verschoben oder das Kind auf „später“ vertröstet wird, hat es das Bedürfnis möglicherweise erfolgreich unterdrückt. Für immer. Wenn Du Dich dazu genauer informieren möchtest, empfehle ich Dir dieses Video von Gerald Hüther.

Eltern von Kindern, die sich zwangsläufig selbstständig beschäftigen müssen, schildern beispielsweise Folgendes. Ein 3jähriger, der nun 2 Stunden mit Kuscheltieren oder Lego spielt. Das klingt toll. Ist es aber nicht. Bei Schulkindern ist es schon selbstverständlicher, dass sie sich beschäftigen. Aber nach einem Schulvormittag ist es absolut wider die Natur, dass sich ein Kind den gesamten Nachmittag weiterhin ruhig sitzend in seinem Zimmer aufhält.

Darum versucht, so häufig wie möglich rauszugehen. Schulkinder können alleine zum nächsten Spielplatz laufen oder rollern. Wenn dort ein Freund wartet oder ein Nachbarskind mitkommt, ist es schon viel schöner dort. Bewegung und frische Luft tun gut und sind wichtig. Sie helfen jedem gegen Burnout und schlechte Laune, weil sich durch die Bewegung Spannungen der Muskulatur abbauen können.

Mach´ Deinem Kind bitte keine Angst

Ich weiß, dass es als Mutter im Lockdown extrem anstrengend sein kann. Allerdings kann Dein Kind wirklich nichts für Deinen Stress. Und es sollte vor allem keine Angst haben. Weder davor, jemanden anzustecken noch davor, dass ihr nicht genügend Geld verdienen könnt oder panische Angst vor dem Virus habt. All´ das kann Dein Kind sonst wirklich sehr lange im Leben begleiten. Anstatt dessen ist es wichtig, dass Du Dich mit ihm beschäftigst.

Dazu sind schon 30 Minuten am Tag ausreichend. Zum Beispiel mittags oder abends nach dem Essen. Vielleicht macht ihr eine Routine daraus. Mit gemeinsamem Lesen, Spielen, Spazieren oder Sportmachen. Auch eine warme Badewanne tut gut und lässt Dein Kind nach dem Sport entspannen. Das hilft übrigens auch ängstlichen oder angespannten Erwachsenen!

Zuverlässig sein

Sei verbindlich und verlässlich, das erzeugt Vertrauen und ist das beste Gegenmittel bei Angst. 30 Minuten volle Aufmerksamkeit, ungeteilt und echt und bitte ohne TV. Gehe dann wirklich nicht ans Telefon, nicht ans Handy und wenn die Nachbarin an der Tür klingelt, hast Du gerade keine Zeit. Dein Kind wird dadurch Stabilität erleben. Eine Stärke, die es später im Leben sicherlich mal gebrauchen und die es vor einem Burnout bewahren kann.

Ideen sammeln

Was wünscht sich Dein Kind? Schreibt eine Liste, und lass´ Dein Kind auch die Sachen nennen oder aufschreiben, die gerade nicht möglich sind. Träume und Ziele sind wichtig, denn darauf kann es hinarbeiten und sie werden eben nicht verdrängt, sondern benannt. Manche Wünsche sind vielleicht leicht zu erfüllen. Wenn es etwas zum Kaufen ist, bedeutet das auch nicht, das Du das tun musst. Aber alle Wünsche dürfen geäußert werden. Du wünschst Dir als Mutter im Lockdown sicherlich auch manchmal ein geöffnetes Café, einen Koch in der Küche oder einen Tag am Meer.

Und vielleicht findet ihr auch Ideen, die jetzt umsetzbar sind. Beispielsweise eine Bücher- oder Spieleaustauschbörse mit Gleichaltrigen. Wenn ein guter Freund ein Buch gelesen hat, möchte es Dein lesefaules Kind vielleicht auch lesen. Oder ihr tauscht Spiele mit Freunden, um einfach mal Abwechslung zu erleben.

Wenn ihr das mögt, könnt ihr auch Kresse wachsen lassen oder jeden Tag Liegestütze üben. Wer weiß, wer dann nach 2 oder 6 Wochen die meisten schafft? Und zum Geburtstag kommt zum Beispiel am Wochenende eine Freundin zum Übernachten.

Pflichten und Regeln im Haushalt

Auch Pflichten und Regeln erschaffen, wenn sie kindgerecht sind, Vertrauen. Dazu gehört zum Beispiel eine kleine Mitarbeit im Haushalt. Das geht in jedem Alter und macht Spaß, wenn dadurch Zeit für ein gemeinsames Spiel oder die Radfahrrunde entsteht.

Ein Tipp aus meiner Zeit als alleinerziehende Mutter mit Praxis und Kleinkind: Bring´ Deinem Kind spielerisch bei, wie es abends seine Kleidung in den Wäschekorb trägt. Das wird so selbstverständlich wie das Zähneputzen. Älteren Kindern kannst Du beibringen den Tisch mit abzuräumen und den eigenen Schreibtisch sauber zu halten. Und noch ältere können auch mal zu Fuß zum Bäcker geschickt werden oder kleine Besorgungen übernehmen.

Zeig´ Mitgefühl und Verständnis

Sätze wie „Es geht uns doch gut, wir haben ein Dach über dem Kopf“ oder „Dann spiel´ halt mit Dir alleine. Das konnten wir früher auch“ oder „Ich habe gerade überhaupt keine Zeit“ mögen aus erwachsener Sicht vielleicht richtig sein. Aber sie sind vor allem eines: Verständnisbefreit und unsensibel. Ja, es ist wirklich schlimm, wenn Du nicht weißt, wie Du die nächste Miete zahlen sollst oder Angst hast, nie wieder frei reisen zu können oder zu erkranken.

Allerdings kann Dein Kind nichts dafür, dass Dich diese Ängste plagen. Wenn Du zurzeit hart zu kämpfen hast, dann empfehle ich Dir, Dich auch besonders um Dich zu kümmern. Tipps dazu findest Du im Artikel Tipps für Mütter im Lockdown. Was ein Burnout genau ist, und wie er sich bemerkbar macht, erfährst Du im Artikel Burnout bei Müttern.

Aber jetzt geht es um Dein Kind. Es braucht einen Ansprechpartner für Sorgen und Nöte. Dadurch lernt Dein Kind, dass es sich Hilfe suchen darf. Auch das wiederum wirkt präventiv gegen ein Burnout und stärkt die Resilienz Deines Kindes. Und wer sollte ein Ansprechpartner sein, wenn nicht Du?

Ich wünsche Dir und Deinem Kind Gesundheit!

Nina

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